Die Sorgenkinderelf des MC AICHACH e.V.
Aus einer Bierlaune wurde eine Institution
Wer hätte das gedacht! Was aus einer Bierlaune heraus entstand, kann nach 30 Jahren von sich behaupten, immer noch Bestand zu haben, zu einer in Aichach bekannten Institution geworden zu sein und in den drei Jahrzehnten einen stolzen Betrag von 200 000 eingenommen und an Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, weiter gegeben zu haben.
Man schrieb das Jahr 1973. 15 mehr oder weniger junge Leute ( 20 bis 43 Jahre alt) vereinbarten anlässlich eines Autlerballes im Gasthof Wagner, für die körperliche Ertüchtigung etwas zu tun. Schon am folgenden Samstag traf man sich, trainierte ein wenig Fußball und wollte nach Wochen sich mit anderen Gleichgesinnten messen. Die Idee, Prominentenspiele auszutragen und dabei vielleicht von den Zuschauern eine kleine Spende zu erheben, war schnell geboren. Um den guten Zweck des sportlichen Tuns zu dokumentieren, gab man sich den Namen Sorgenkinderelf und ist bis heute eine Abteilung des Motorclub Aichach.
Das allererste Match wurde gegen eine Stammtischmannschaft ausgetragen, die Woipertinger. Sage und schreibe 156 DM hatten die Zuschauer in der Regel die Frauen und Verwandten der Spieler für einen guten Zweck übrig. Hollenbach war Gastgeber des zweiten Spieles, der Gemeinderat der Gegner. Aichachs Lokalhumorist Otto Steuerl kommentierte das Spiel. Dass das Ganze nicht zu ernst genommen wurde, zeigte die Tatsache, dass während des Spieles eines der Tore mit Brettern zugenagelt wurde. Diese Gaudi war den schon zahlreichen Zuschauern 400 DM wert. Und am Ende des ersten Jahres konnten bereits 2800 DM in der Kasse gezählt werden. Die Sorgenkinderelf hatte nie einen Abteilungsleiter und das hat sich bis heute bewährt. Gerd Mill trat von Beginn an bis zu seinem Tod (1997) als Sprecher der Gruppe auf, seitdem tut dies Jonny Michl.
Im Jahre 1975 wagte man sich an ein Fußballturnier mit Stammtischmannschaften. 24 Teams meldeten sich, wurden in 6 Gruppen gelost und nach strengem Reglement gespielt. An einem Abschlussabend im Bierzelt des Aichacher Volksfestes wurde das Siegerteam gekürt, nachdem vorher über Wochen hinweg die Spiele ausgetragen und wiederum bei den Zuschauern ein Obulus erbeten worden war. Der Erfolg des Sorgenkindercups war so großartig, dass man 1877 eine Wiederholung wagte und mit verschiedenen Aktionen rund um das Fußballfeld insgesamt 21 000 DM vereinnahmen konnte.
Aber auch außerhalb des Fußballfeldes machten die Mitglieder der Sorgenkinderelf von sich reden: Als sich die schulvorbereitende Einrichtung der Lebenshilfe in Rieden einen Ponystall wünschte, bauten die Mitglieder der Sorgenkinderelf unter Anleitung eines ortsansässigen Fachmannes in ihrer Freizeit den Stall, das Pony stiftete Baron Manfred von Schaezler.
All die Aktivitäten hatten die Kasse ganz schön gefüllt, die Lebenshilfekinder profitierten davon am meisten. Eine besondere Aktion entwickelte sich um die Weihnachtszeit: Der Sorgenkinderelf wurden Schicksale von Menschen bekannt, die durchaus nicht auf der Sonnenseite des Lebens standen. Spontan erklärten sich Frauen der Sorgenkinderelf bereit, Lebensmittelpakete zusammen zu stellen und zusammen mit einem Geldbetrag an die Bedürftigen kurz vor den Weihnachtsfeiertagen zu überbringen. Diese Einrichtung ist längst zur Tradition geworden und auch heute noch gehen Jahr für Jahr 30 bis 40 Päckchen an Menschen, die diese Hilfe bitter nötig haben.
Langsam kamen die Gründungsmitglieder der Sorgenkinderelf in die Jahre. Der ursprüngliche Zweck der Gemeinschaft, Sport zu treiben und insbesondere Fußball zu spielen, trat immer mehr in den Hintergrund. Das Alter forderte von manchem seinen Tribut und Nachwuchs war und ist weit und breit nicht zu sehen. Also verlegte man sich auf andere Aktivitäten, um die Mittel für einen guten Zweck einzuspielen.
Seit 1977 betreibt die Sorgenkinderelf den Weinstadl am Stadtfest Aichach und in der Adventszeit ist man seit 1987 mit der Jagerteebude am Weihnachtsmarkt vertreten. Beide Aktionene finden bei der Bevölkerung eine hervorragende Resonanz und sorgen dafür, dass die Mittel hereinkommen, die die Sorgenkinderelf in die Lage versetzen, dem Zweck auch weiterhin zu huildigen, dem man sich verschrieben hat: zu helfen, wo Hilfe nötig ist.
Im Jubiläumsjahr 2003 haben bereits vier Institutionen für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit einen Betrag von jeweils 1000 erhalten, auch die Lebenshilfe wurde bedacht. Für die geistig und körperlich behinderten Kinder der Lebenshilfe hatten die Mitglieder der Sorgenkinderelf immer schon ein offenes Ohr: Der erste Bus, den die Lebenhilfeeinrichtung (damals noch in Oberbernbach beheimatet) erhielt, wurde 1977 komplett aus Mitteln der Sorgenkinderelf finanziert, ein Brennofen wurde angeschafft, 50 Stühle für die Aula der St. Elisabeth-Schule gespendet. Insgesamt konnte sich die Lebenshilfe über mehr als 50 000 freuen.
Wirft man einen Blick in die nächsten Jahre, so sieht die Zukunft der Sorgenkinderelf nicht besonders rosig aus. Obwohl sich in den letzten Jahren viele getreue Helfer außerhalb der Sorgenkinderelf eingefunden haben, die ihre Zeit der guten Sache zur Verfüfung stellen, so sist doch festzustellen, dass sich bei den Gründungsmitgliedern eine gewisse Müdigkeit breit macht.
Leider haben sich keine "neuen" Helfer gefunden, weshalb die Abteilung im Jahre 2005 aufgelöst wurde. Die restlichen Einnahmen / Guthaben wurden an bedürftige Einrichtungen gespendet!
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